Tausende Haushalte in der Slowakei haben Schwierigkeiten, ihre Wohnungen im Winter ausreichend zu heizen. Vielen Menschen fehlt schlicht das Geld, um sowohl die Heizkosten als auch die Ausgaben für Lebensmittel oder einen Arztbesuch bezahlen zu können. Trotz verschiedener staatlicher Unterstützungsmaßnahmen sind sie weiterhin dauerhaft von Energiearmut bedroht. Dies geht aus der jüngsten Studie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (SAV) hervor.
Energiearmut liegt dann vor, wenn Menschen vor der Entscheidung stehen, ob sie ihre Wohnung heizen oder Lebensmittel kaufen, das Schulgeld bezahlen oder für ihre Gesundheitsversorgung aufkommen sollen. Betroffen sind Haushalte, denen nach Begleichung sämtlicher Energiekosten weniger als 443 Euro zur Verfügung stehen. Das entspricht weniger als dem 1,5-Fachen des Existenzminimums. Dušana Dokupilová vom Prognostischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (SAV) erklärt: „Sie lösen das Problem, indem sie sowohl beim einen als auch beim anderen sparen. Das bedeutet, dass die Betroffenen aufgrund der Energiearmut meist in kälteren Räumen leben und gleichzeitig auf minderwertigere Lebensmittel zurückgreifen.“
Betroffen sind zwölf Prozent, also rund 250.000 Haushalte. Das heißt, dass Hunderttausende Einwohner der Slowakei unter Energiearmut leiden. Besonders dramatisch ist die Situation für Familien mit Kindern. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine vollständige Familie mit Kindern oder um eine mit nur einem Elternteil handelt. Betroffen sind ebenso Mehrgenerationenhaushalte sowie Haushalte, in denen nur eine Person erwerbstätig ist. Im Gegensatz zu den umliegenden Ländern hat sich die Situation in der Slowakei im Laufe der Jahre nicht verbessert, ergeht aus der Studie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften. Die gezielte staatliche Unterstützung erreicht die besonders gefährdeten Haushalte nicht in ausreichendem Maße. „Armutsbetroffene Haushalte verbrauchen nur sehr wenig Energie und reduzieren ihren Verbrauch auf ein Minimum. Das bedeutet, dass auch der Zuschuss aus dem Energiehilfeprogramm für sie nur sehr gering ausfällt“, erklärt Dokupilová.
Für viele Menschen steigen die Energiekosten jedoch weiterhin. Sie leben in alten Gebäuden, die dringend saniert werden müssten. Der Experte für öffentliche Politik bei der Plattform Gebäude für die Zukunft (Budovy pre budúcnosť) Jakub Vojt erläutert: „Weder für das Thema Energieeffizienz von Gebäuden noch für das Thema Energiearmut ist derzeit ein einziges zuständiges Ministerium festgelegt. Das begünstigt unsystematische Lösungsansätze. Wenn ein Ressort versucht, die Menschen zur Sanierung ihrer Häuser zu motivieren, während ein anderes gleichzeitig die Energiepreise pauschal kompensiert, kann dadurch der Anreiz für eine Sanierung sinken, und das Problem wird weiter verschärft.“