Nationalbank: Über den Wohlstand werden vor allem Fähigkeiten entscheiden

Nationalbank: Über den Wohlstand werden vor allem Fähigkeiten entscheiden

Die slowakische Wirtschaft wird zunehmend von technologischem Fortschritt, der alternden Bevölkerung, globalen Spannungen und dem Übergang zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft beeinflusst werden. Das Wachstumsmodell, das der Slowakei in der Vergangenheit dabei geholfen hat, zu den wohlhabenderen EU-Ländern aufzuschließen, wird in Zukunft nicht mehr ausreichen. Der Schlüssel zum Erfolg sind die Menschen, ihre Bildung, Gesundheit, Kompetenzen und ihre Fähigkeit, neue Technologien zu nutzen. Dies geht aus der aktuellen Ausgabe der jährlichen Publikation „Strukturelle Herausforderungen“ hervor, die am Montag (2.11.) von Vertretern der Nationalbank der Slowakei vorgestellt wurde.

Der Chefökonom der Zentralbank Michal Horváth verwies darauf, dass die Slowakei aufgehört hat, ihren Rückstand beim Lebensstandard gegenüber den wohlhabenderen Ländern aufzuholen. Im Vorjahr lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf bei etwa drei Vierteln des EU-Durchschnitts. Den größten Teil dieses Unterschieds macht die geringere Arbeitsproduktivität aus. Der zweitwichtigste Faktor ist die niedrigere Beschäftigungsquote der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Darüber hinaus befindet sich das Land in einer Phase, in der die Bevölkerung und damit auch die Erwerbsbevölkerung deutlich altern werden. Gleichzeitig verlassen talentierte junge Menschen die Slowakei. Jeder sechste Student besucht eine Hochschule im Ausland. Dies ist einer der höchsten Anteile innerhalb der EU.

Michal Horváth erklärte: „Wir müssen unter diesen Bedingungen den Lebensstandard der wohlhabenderen Länder aufholen, was eine sehr große Herausforderung darstellt. Unser Bericht sucht nach Antworten auf die Frage, wie dies gelingen kann. Der Weg besteht darin, dass wir uns auf die Menschen konzentrieren, auf ihre Kompetenzen und ihr Talent – auf die Förderung einheimischer Talente und die Anwerbung ausländischer Talente. Denn auch die technologischen Veränderungen, die derzeit stattfinden, werden uns nur dann helfen, wenn wir in unserer Wirtschaft Menschen mit richtigen Fähigkeiten an den richtigen Stellen haben.“

Aus Berechnungen der Nationalbank geht hervor, dass die Produktivität der Unternehmen in der Slowakei bei einem durchschnittlichen Alter der Erwerbsbevölkerung von 42 Jahren ihren Höhepunkt erreicht. Die Zentralbank betont jedoch, dass die Produktivität nicht allein vom Alter, sondern von der Anpassungsfähigkeit abhängt.

Der Experte stellte fest: „In den letzten Jahren beobachten wir einen deutlichen Zuzug ausländischer Arbeitskräfte. Ihre Altersstruktur ist natürlich jünger als die der einheimischen Bevölkerung, was positiv ist. Allerdings sehen wir, dass dieser Prozess relativ ungeordnet verläuft. Ausländische Arbeitskräfte gehen in jene Branchen, in denen sie gefragt sind und in denen man sie bezahlen kann. Uns fehlt in diesem Bereich eine Art Strategie. In einigen Branchen, wie beispielsweise der Energiewirtschaft, sehen wir, dass die einheimischen Arbeitskräfte älter sind, während ausländische Arbeitskräfte beispielsweise nicht in diese Sektoren kommen. Ähnlich ist die Situation in der öffentlichen Verwaltung. Was vielleicht noch wichtiger ist: Wir sollten uns nicht nur auf unsere bestehenden Branchen konzentrieren, sondern auch darauf, welche neuen Bereiche wir als Land entwickeln könnten. Gerade dort gibt es enorme Defizite. Viele Investitionen kommen nicht in unser Land, weil es in der Slowakei an Arbeitskräften mit den entsprechenden hochwertigen Kompetenzen fehlt, die für moderne Investitionen erforderlich sind.“

Quelle: TASR

Marika Antašová, Foto: TASR

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