Der Boom der slowakischen Rüstungsindustrie – im Blick der ausländischen Presse

Der Boom der slowakischen Rüstungsindustrie – im Blick der ausländischen Presse

In der französischen Tageszeitung Le Monde ist am 20. Oktober 2026 ein ausführlicher Artikel über den Boom der Rüstungsindustrie in der Slowakei erschienen. Die französische Journalistin Cécile Boutelet besuchte im Rahmen ihrer Recherchen die Werke in Dubnica nad Váhom, Nováky und Snina. Ihre Reportage beginnt im Osten der Slowakei. Sie beschreibt, wie nur 50 Kilometer von der durch den Angriffskrieg Russlands gebeutelten Ukraine entfernt in alten Gebäuden aus Zeiten des Sozialismus neben Originalmaschinen der Škoda-Werke moderne Roboter arbeiten. In Snina werden Granatenhülsen für die Artillerie produziert – genau solche, wie sie die ukrainische Armee benötigt.

Die Autorin hebt das rasante Wachstum der slowakischen Rüstungsindustrie hervor. Sie bezeichnet die Slowakei als das neue europäische Zentrum der Munitionsfertigung. 2025 habe die Slowakei Militärpatronen und deren Teile für über zwei Milliarden Euro exportiert. Das sei mehr als doppelt so viel wie 2024. Hinter der Expansion stehe hauptsächlich der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group. Cécile Boutelet skizziert auch die Geschichte der Eigentümer-Familie Strnad, die seit Jahrzehnten alte Rüstungsbetriebe aufkauft und modernisiert. Heute wird der Konzern vom 34-jährigen Michal Strnad geleitet. Laut Le Monde seien die Konzernumsätze von 570 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 gestiegen.

Le Monde weist auch auf einen Widerspruch in der Haltung der Regierung von Robert Fico (Smer-SD) hin. Während der oft als prorussisch bezeichnete slowakische Ministerpräsident Militär- und Finanzhilfen für die Ukraine ablehne, zählten slowakische Fabriken zu den wichtigsten Munitionslieferanten für die Ukraine.

Mit den Verflechtungen der Rüstungsindustrie und der Machthabenden in der Slowakei haben sich auch tschechische Investigativjournalisten vom Webportal Seznam Zprávy befasst. Im September 2026 deckten sie Dokumente über finanzielle Verbindungen zwischen den Firmen der Czechoslovak Group und dem slowakischen Verteidigungsminister Robert Kaliňák (Smer-SD) und seiner Firma auf. Der Minister bekannte sich (16.9.) dazu, gegen Zahlungen Lobbyarbeit für die Czechoslovak Group beziehungsweise ihre Fahrzeugmarke Tatra in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgeübt zu haben. Medienberichten zufolge belaufe sich zudem die Summe der Verträge, die Verteidigungsminister Kaliňák mit dem besagten Rüstungskonzern zumeist ohne Ausschreibungsverfahren abgeschlossen haben soll, auf ungefähr 60 Milliarden Euro. Er selbst hält diese Zahl für falsch und fügt hinzu, dass Menschen sich kaum vorstellen können, was 60 Milliarden Euro überhaupt seien.

Quelle: Správy STVR

Juraj Gigac, Foto: TASR

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