In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden in der Slowakei mehr als 80 Opfer von Menschenhandel registriert, darunter 51 Kinder. Darüber informierte der Leiter des Büros für Kriminalprävention des Innenministeriums Jozef Halcin auf einer Pressekonferenz in der ostslowakischen Stadt Prešov.
Das Ressort machte dabei auf den Europäischen Tag gegen Menschenhandel aufmerksam, der an diesem Sonntag (18.10.) begangen wird. Man rief dazu auf, Gebäude blau zu beleuchten, um die Kampagne „Blaues Herz“ zu unterstützen. Laut der Staatssekretärin im Innenministerium Lucia Kurilovská werden mehrere bedeutende Bauwerke in die Kampagne einbezogen, darunter der Dom der heiligen Elisabeth und das Ostslowakische Museum in Košice, der Wasserturm in Prešov, der Martinsdom sowie die Slowakische Philharmonie in Bratislava. Das blaue Herz symbolisiert das verletzte Herz der Opfer, zugleich aber auch die Gefühlskälte der Täter.
Kurilovská wies auf die zunehmende Zahl von Strafverfahren hin, die sie auch mit der erfolgreicheren Aufdeckung dieser Straftaten in Zusammenhang bringt. Die Opfer hätten häufig Angst, über ihre Erfahrungen zu sprechen, weil sie sich vor den Tätern oder vor dem Strafverfahren fürchteten. „Zu den Opfern von Menschenhandel gehören auch Personen, denen man auf der Straße begegnen kann, deren Bewegungsfreiheit jedoch eingeschränkt ist“, sagte Kurilovská und führte weiter aus: „Ihnen werden beispielsweise ihre Dokumente, Reisepässe abgenommen. Für die Arbeit, die sie verrichten, erhalten sie nur eine minimale Entlohnung. Sie arbeiten und wohnen unter sehr schlechten, menschenunwürdigen Bedingungen. Menschenhandel äußert sich in vielen verschiedenen Formen. Dazu zählen auch sexuelle Ausbeutung, Zwangsarbeit, erzwungenes Betteln sowie moderne Formen der Sklaverei und Zwangsheiraten. Sehr alarmierend ist, dass wir immer mehr minderjährige Opfer identifizieren und daher davon ausgehen, dass ihre Zahl steigt.“
Das Hilfsprogramm für Opfer von Menschenhandel hat laut dem Leiter des Büros für Kriminalprävention bisher mehr als 460 Personen unterstützt. Es leistet Hilfe bei der Rückkehr aus dem Ausland sowie soziale, medizinische und finanzielle Unterstützung. Das Ministerium verfügt außerdem über ein Netzwerk von 16 Informationsbüros für Verbrechensopfer.
Die Projektmanagerin der Slowakischen Katholischen Caritas Nina Remišová betonte, dass die Rettung der Opfer nur der erste Schritt sei und ihre Unterstützung danach weitergehen müsse. Sie erklärte: „Wir sorgen für eine sichere Unterkunft, einen Arzt, einen Psychologen, einen Rechtsanwalt und neue Dokumente. Wir begleiten die Betroffenen während des Strafverfahrens, einschließlich der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen. Wir helfen ihnen, eine Arbeit zu finden, damit sie wieder auf eigenen Beinen stehen können. Wenn sie heimkehren wollen, organisieren wir für sie eine sichere Rückkehr. Noch bis 2024 unterstützten wir vor allem Slowaken, die im Inland oder im Ausland ausgebeutet wurden. Heute wenden sich zunehmend Menschen aus Nepal, Indien, den Philippinen, Indonesien, Paraguay oder der Ukraine an uns. Sie kommen mit der Hoffnung in die Slowakei, Geld zu verdienen und ihre Angehörigen zu unterstützen. Menschenhandel zeigt sich heute oft nicht mehr in Form einer Person, die hinter verschlossenen Türen festgehalten wird. Abhängigkeit entsteht durch einbehaltene Löhne, Schulden gegenüber Vermittlern, Drohungen, Isolation oder mangelnde Sprach- und Rechtskenntnisse.“
Am Kreisamt in Prešov wurde zudem die Fotoausstellung „Verkaufte Leben – Von der Unsichtbarkeit zum Gedächtnis“ (Predané životy – od neviditeľnosti k pamäti) eröffnet.
Quelle: TASR