Wie wird aus einer Gemeinde eine Stadt?

Wie wird aus einer Gemeinde eine Stadt?

Viele kleine Gemeinden in der Slowakei verlieren seit Jahren Einwohner. Junge Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen in die Städte oder ins Ausland. Zurück bleibt eine alternde Bevölkerung. Fehlende Arbeitsplätze und schwer erreichbare Dienstleistungen verschärfen diese Entwicklung. Im Umland von Bratislava zeigt sich dagegen häufig ein anderes Bild: Im Zuge der Suburbanisierung sind manche Gemeinden in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Einige überlegen inzwischen, ob sie auch offiziell zu Städten werden sollten. Dazu gehört etwa Chorvátsky Grob bei Bratislava mit rund 8.000 Einwohnern. Auch in der ostslowakischen Gemeinde Smižany wird über einen solchen Schritt nachgedacht. Dort leben fast 9.000 Menschen. Damit zählt Smižany seit Langem zu den bevölkerungsreichsten Gemeinden des Landes ohne Stadtstatus. Wie die Tageszeitung Pravda berichtet, stehen die Gemeindeleitungen beider Orte einer Aufwertung zur Stadt grundsätzlich offen gegenüber.

Damit wäre ein Gewinn an Ansehen verbunden. Die Bezeichnung als Stadt unterstreicht die Bedeutung eines Ortes für sein Umland. Auch die kommunalen Organe würden anders heißen: Aus der Gemeindevertretung würde eine Stadtvertretung, und aus der Bürgermeisterin eine Oberbürgermeisterin. Hinzu käme die Verwendung städtischer Insignien bei feierlichen Anlässen. Mehr Geld steht einer Kommune dadurch jedoch nicht automatisch zur Verfügung. Der Stadtstatus allein bringt bei der regulären Finanzierung keine besonderen Vorteile. Entscheidend sind vielmehr die Einwohnerzahl und andere Verteilungskriterien. Die Aufwertung zur Stadt würde daher weder den Ausbau von Straßen und Schulen finanzieren noch das Angebot an Dienstleistungen direkt verbessern.

Ob eine Gemeinde zur Stadt erhoben wird, entscheidet das slowakische Parlament auf Vorschlag der Regierung. Ausgangspunkt ist ein Antrag der Gemeinde. Das Gesetz sieht dafür mehrere Voraussetzungen vor: Der Ort muss eine zentrale Funktion erfüllen, etwa als Wirtschafts-, Verwaltungs- und Kulturzentrum oder als Tourismus- beziehungsweise Kurort. Außerdem muss er Dienstleistungen auch für umliegende Gemeinden anbieten und mit ihnen durch Verkehrsverbindungen erschlossen sein. Zumindest ein Teil der Bebauung muss einen städtischen Charakter haben. Vorgesehen sind zudem mindestens 5.000 Einwohner. Von dieser Grenze sind allerdings Ausnahmen möglich, wenn die übrigen Voraussetzungen dies rechtfertigen.

Sollten Chorvátsky Grob und Smižany in naher Zukunft den Stadtstatus erhalten, würde die Zahl der slowakischen Städte von derzeit 141 auf 143 steigen. Wie unterschiedlich groß diese sein können, zeigt ein Blick auf die beiden Enden der Skala. Während in Bratislava mehr als 480.000 Menschen leben, zählt der Kurort Dudince als kleinste Stadt des Landes nur rund 1.400 Einwohner.

Quellen: Tageszeitung Pravda, STVR, TASR

Juraj Pavlovič, Foto: bratislavskykraj.sk

Živé vysielanie ??:??

Práve vysielame