Ähnlich wie der Westen der Slowakei leidet auch das östliche Österreich mit seinen landwirtschaftlich geprägten Landschaften des Weinviertels und Marchfelds nicht nur in diesem Sommer unter massiver Hitze und Dürre. Ist man westlich des Grenzflusses March auf der österreichischen Seite unterwegs, fällt auf, dass nahezu jedes Feld bewässert wird – freilich nicht selten mithilfe von nicht besonders klimafreundlichen Dieselmotoren. Das Bild östlich des Grenzflusses ist ein anderes. Nur wenige Felder in der Slowakei werden künstlich bewässert. Ab den 1960er Jahren wurde in der sozialistischen Tschechoslowakei das planwirtschaftlich „Hydromeliorationen“ genannte System massiv ausgebaut. Vor der Wende wurden auf dem Gebiet der Slowakei 375.000 Hektar Ackerland bewässert. Das System gehört nach wie vor dem Staat, der darin seit mittlerweile Jahrzehnten kaum investiert hat, sodass 2022 nur noch etwa 55.000 Hektar Land künstlich bewässert wurden.
Die aktuelle akute Dürrekrise drängt die slowakische Regierung dazu, die Bewässerung der Felder neu zu denken. Ministerpräsident Robert Fico (Smer-SD) schlägt vor, die slowakischen Bewässerungssysteme im Rahmen eines Public-Private-Partnership (PPP) Projekts Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten anzubieten: „Dieses Land kann, wie ich glaube, zu einem wichtigen, strategischen Investor in der Slowakischen Republik werden. Ich werde an dieser Stelle all das nicht kommentieren, was aus dem Munde der Opposition und ihrer Medien kommt. Es ist mehr als peinlich und aus dem kopflosen Geschrei ragt lediglich purer Neid heraus.“
Der christdemokratische Abgeordnete Viliam Karas (KDH) hält dieses Vorhaben der slowakischen Regierung für eine Sabotage. Er befürchtet, dass die Slowakei angesichts drohender Lebensmittelkrisen ihre Bewässerungssysteme verlieren könnte – und zwar an ein Land außerhalb der Europäischen Union und ihrer Jurisdiktion.
Ministerpräsident Fico sieht vor, dass der arabische Investor modernisierte Bewässerungssysteme an slowakische Landwirte vermietet, wobei nach 25 bis 30 Jahren das ganze System wieder ins Eigentum der Slowakischen Republik übergehen sollte. Die Abgeordnete Tamara Stohlová von der oppositionellen Partei Progresívne Slovensko (PS) warnt vor dieser Entscheidung: „Das bedeutet, dass slowakische Landwirte dann für dieses Wasser zahlen müssen. Es ist doch klar, dass kein großer ausländischer Investor so etwas aus freien Stücken macht, er erwartet einen Gewinn.“
Der stellvertretende Ministerpräsident und Verteidigungsminister Robert Kaliňák (Smer-SD) glaubt, dass es für den Staat kostengünstiger sei, ein PPP-Projekt ins Leben zu rufen, als das umfangreiche System mit Krediten instand zu setzen.
Quelle: Správy STVR, našepole.sk