Altenpflegekräfte unter den schlechtest bezahlten Berufen

Altenpflegekräfte unter den schlechtest bezahlten Berufen

Das Onlineportal platy.sk hat eine Rangliste der 20 am schlechtesten bezahlten Berufe in der Slowakei veröffentlicht. Dazu zählen auch Altenpflegekräfte, von denen es in der Slowakei mehr als zehntausend gibt. Am wenigsten verdienen Hilfskräfte im Textilbereich mit einem Durchschnittsgehalt von etwas über tausend Euro im Monat. Darauf folgen Pförtner mit 1.024 Euro sowie Reinigungskräfte und Küchenhilfen mit durchschnittlich 1.034 Euro. Das durchschnittliche Gehalt von Altenpflegekräften liegt in diesem Jahr bei 1.160 Euro. Ľubica Melcerová vom Arbeitsmarktportal Alma Career Slovakia weist dabei aber auch auf regionale Unterschiede hin:

„Diese Arbeit wird angesichts ihrer gesellschaftlichen Bedeutung nicht ausreichend wertgeschätzt. Es handelt sich um ein langjähriges, systematisches Problem. In der Region Bratislava liegt der durchschnittliche Jahreslohn bei etwas über 1.300 Euro. In den anderen Regionen schwankt er zwischen 1.050 und 1.150 Euro. Ein Drittel dieser Arbeitnehmer verdient weniger als tausend Euro im Monat.“

So liegt in der mittelslowakischen Region Banská Bystrica das Bruttogehalt von Altenpflegekräften bei 915 Euro. Berücksichtigt man auch die Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit kommt man auf durchschnittlich 1.050 Euro. Da die Zahl junger Menschen sinkt und die Zahl der Pflegebedürftigen steigt betonen Experten die Notwendigkeit systemischer Veränderungen. Während heute etwa 3,7 Erwerbsfähige auf eine Rentnerin oder einen Rentner kommen, werden es in 25 Jahren weniger als zwei sein. Dazu kommt, dass 96 Prozent aller Beschäftigten im Pflegebereich in der Slowakei weiblich sind. Die Vorsitzende des Verbandes der Sozialdienstleister in der Slowakei, Anna Ghannamová sieht vor allem die Politik in der Pflicht:

„Dass es sich um einen schlecht bezahlten Beruf handelt, ist nichts Neues. Unser Verband spricht davon bereits seit über zwölf Jahren. Wir fordern deshalb eine radikale Erhöhung der Gehälter von Pflegekräften mit Unterstützung aus dem Staatshaushalt. Die Politiker haben das Thema aber bereits vor 20 Jahren ignoriert. Sie hatten Statistiken zur Langzeitpflege, zur Demografie und zur Entwicklung, die sich in ganz Europa abzeichnet, und sie haben dieses Land nicht darauf vorbereitet.“

Der Verband der Sozialdienstleister hat konkrete Lösungsansätze. Er möchte dem slowakischen Arbeitsministerium Projekte vorlegen, die aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert werden könnten. Das Arbeitsministerium teilte daraufhin in einer Reaktion mit, dass es lediglich den rechtlichen Rahmen festlege. Für die Vergütung ihrer Angestellten seien letztlich die Träger sozialer Einrichtungen verantwortlich. Die Kommunen unterliegen dabei dem Gesetz über die Vergütung im öffentlichen Dienst, in dem auch ein Mindestlohn festgelegt ist.

Quelle: STVR, TASR
Jürgen Rendl; Foto: STVR

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