Am Samstag (18.7.) ist die slowakische Hauptstadt Bratislava zum Schauplatz zweier gesellschaftspolitischer Versammlungen geworden. Auf dem Freiheitsplatz (Námestie slobody) versammelten sich ungefähr 10.000 Menschen, um beim Regenbogen-Pride (Dúhový pride) ihre Unterstützung für die Belange der LGBT+-Personen und ihre Inklusion in die slowakische Gesellschaft zu zeigen. Am Jakobsplatz (Jakubovo námestie) trafen sich über einhundert Menschen, um beim Nationalen Marsch „Stolz auf die Familie“ (Národný pochod Hrdí na rodinu) teilzunehmen und die Exklusivität der klassischen Familie mit Mann, Frau und Kindern einzufordern.
Der Pride-Monat mit Veranstaltungen auch in weiteren fünf Städten wurde 2026 von circa 30 hauptsächlich europäischen Botschaften, der Vertretung der Europäischen Kommission sowie von der Hauptstadt und der Selbstverwaltungsregion Bratislava unterstützt. Demnach seien Rechte der LGBT+-Menschen ein untrennbarer Teil der allgemeinen Menschenrechte. Obwohl in der slowakischen Regierung zwei Parteien mit dem Zusatz „Sozialdemokratie“ in ihrem Namen das Sagen haben, agieren sie in gesellschaftspolitischen Fragen national-konservativ. Zusammen mit den oppositionellen Christdemokraten setzten sie eine Verfassungsnovelle durch, die in Fragen der nationalen Identität dem slowakischen Recht Vorrang vor dem EU-Recht einräumt. Ministerpräsident Robert Fico (Smer-SD) besuchte unlängst das Sonderstandesamt, um die Mitarbeitenden anzuweisen, die Urteile des Europäischen Gerichtshofs nicht umzusetzen und im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen nicht einzutragen.
Beim Marsch für die Familie diskutierte der Kinder-Ombudsmann Jozef Mikloško mit einem katholischen und einem evangelischen Bischof über die Gefahren der Online-Welt für Kinder: „Die Folge von alledem sind gravierende psychische Probleme bei Kindern. Und was ist der Ausweg? Der Ausweg ist einfach – die Rückkehr zu Beziehungen. Wenn Kinder Beziehungen erleben, sind sie einigermaßen geschützt.“
Vor dem Familienmarsch-Publikum in traditionellen roten T-Shirts trat mit seinen Folk-Songs auch der 2025 ernannte Direktor des Slowakischen Rundfunks Peter Janků auf, der gleichgeschlechtliche Liebe für eine Krankheit hält. Das Motto des 16. Jahrgangs des Regenbogenmarsches war Mut. Die norwegische Sozialanthropologin Silje Paulsen kam in einer wissenschaftlichen Arbeit zum Schluss, dass queere Menschen in der Slowakei in einem ständigen Modus der Alarmbereitschaft leben. Pride-Pressesprecherin Aneta Andraščíková betont: „Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Menschen jeden Tag ihren Mut durch ihre bloße Existenz vorweisen, indem sie ihre Leben sichtbar leben wollen.“
Beim Regenbogenumzug wurde auch der Opfer des Terroranschlags auf die queere Bar Tepláreň gedacht, wo im Oktober 2022 ein radikalisierter junger Mann zwei Personen erschossen und eine verletzt hat. Beide Veranstaltungen wurden von der staatlichen und städtischen Polizei geschützt, wofür sich die Organisierenden bedankt haben.
Quelle: Správy STVR, TASR, dennikn.sk, standard.sk