Kyrill und Method: Geschichte und Gegenwart der Feierlichkeiten

Kyrill und Method: Geschichte und Gegenwart der Feierlichkeiten

Konstantin und Michael, mit kirchlichen Namen Kyrill und Method, waren zwei Brüder aus Thessaloniki im damaligen Oströmischen Reich. 862 bat Fürst Rastislav von Großmähren, einem Staatsgebilde mit Kerngebiet in Südostmähren und der Westslowakei, den oströmischen Kaiser Michael III., Missionare ins Land zu entsenden. Die großmährische Oberschicht ist damals bereits vom Westen aus christianisiert worden, allerdings wollte sich Rastislav vom Ostfränkischen Reich unabhängiger machen. Als 863 die sog. Slawenapostel nach Großmähren kamen, wurden die fränkischen Priester größtenteils vertrieben.

Kyrill und Method waren teils slawischen Ursprungs. Auf der Basis der griechischen Schrift entwickelten sie die für slawische Sprachen geeignete Glagolitza und übersetzten kirchliche sowie gerichtliche Texte ins Altkirchenslawische. 869 erwirkten sie in Rom die Zulassung des Slawischen als offizielle Sprache der Liturgie. Nach Methods Rückkehr nach Großmähren war bereits der mit Franken verbündete Fürst von Nitra Svätopluk an der Macht. Method wurde verhaftet und in einem deutschen Kloster festgehalten, aus dem er 873 auf päpstlichen Befehl entlassen und wieder als Erzbischof eingesetzt wurde. Bischof von Nitra wurde der deutsche Kleriker Wiching. Nach Methods Tod 885 konnte er beim neuen Papst das Verbot der slawischen Liturgie erwirken. Methods Schüler mussten auf den Balkan flüchten.

Im 19. Jahrhundert wurden die Slawenapostel im Zuge der nationalen Wiedergeburt zur Stärkung der slawischen Identität eingesetzt. Die erste Kyrill- und Method-Kirche wurde 1863 in Selce eingeweiht. In der Tschechoslowakei bekamen sie 1925 per Gesetz einen nicht arbeitsfreien Gedenktag, der auch in die kommunistische Ära übernommen wurde. 1985 fand im mährischen Velehrad die Nationale Wallfahrt zum 1100. Jubiläum der Ankunft der Slawenapostel statt. Die alleinregierende Kommunistische Partei wollte sie nutzen, um ein Bild der religiösen Freiheit vorzutäuschen, auch weil Medien aus Westdeutschland und Österreich vor Ort waren. Der vor über 150.000 Gläubigen redende Kulturminister Klusák wurde allerdings von der Menge ausgepfiffen.

Nach der Wende wurde der 5. Juli zum gesetzlichen Feiertag. Unter der aktuellen Regierung erfreut er sich einer verstärkten Aufmerksamkeit. 2024 trat Ministerpräsident Robert Fico (Smer-SD) nach dem gescheiterten Attentat auf ihn das erste Mal bei der Kyrill-und-Method-Feier auf der Burg Devín auf. Dort rief er zum Bau eines Damms gegen liberale und progressive Ideologien auf, die sich „wie Krebs ausbreiten und wie Gift wirken“ würden.

Oppositionelle Politiker*innen kritisieren den geschlossenen Charakter und die zunehmend rechte Ideologisierung sowie die Kosten der Feier: über 400.000 Euro im Jahr 2024, 750.000 Euro im Jahr 2025, in dem es auch ein Programm für die Öffentlichkeit unter der Burg gab, sowie mindestens 320.000 Euro im laufenden Jahr.

Quelle: TASR, ÚPN, pravda.sk
Juraj Gigac; Foto: STVR

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