Ein Hund, der ohne Besitzer durch ein Dorf läuft, wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie ein Randproblem. Für viele Gemeinden in der Slowakei ist das aber längst ein alltägliches und teures Thema geworden. Mehr als 1.500 Menschen wurden seit Jahresbeginn in der Slowakei durch Hundebisse verletzt. Das melden die Krankenversicherungen. Eigentlich müssten sich die Gemeinden um das Einfangen der Streuner kümmern, doch vielen fehlt dafür das notwendige Geld. Aggressive Straßenhunde werden so auch im Arbeitsalltag zu einer Gefahr, denn allein im vergangenen Jahr wurden Postboten fast einhundert Mal attackiert.
Laut der Juristin Nikola Ďurčíková vom Büro des Tierschutz-Ombudsmanns seien die Gemeinden gesetzlich verpflichtet, freilaufende Hunde durch einen behördlich genehmigten Dienst einzufangen und anschließend in einem Tierheim unterbringen zu lassen. In der Praxis scheitert das jedoch oft am Budget. Den Geldmangel in diesem Bereich bestätigt auch der Städte- und Gemeindeverband der Slowakei (ZMOS). Doch selbst wenn sich das Geld findet, kommt es häufig zu einem anderen Problem, sagt Peter Fulla, Bürgermeister der Gemeinde Markušovce: “Alle Tierheime sind überfüllt. Selbst wenn wir einen Vertrag mit einem professionellen Abfangdienst haben, ist es unglaublich schwer, jemanden hierherzubekommen, weil auch deren Kapazitäten erschöpft sind. In diese Richtung müsste der Staat wohl etwas stärker schauen.”
Den Fang der Hunde übernehmen so meist verschiedene Bürgervereine. In jüngster Zeit hat auch der Staat erste Initiativen gestartet. Der oberste Veterinärmediziner der Slowakei, Martin Chudý, verweist auf ein laufendes Pilotprojekt. Vorgesehen sind die Identifizierung der Tiere, ihre Kennzeichnung mit einem Chip, die Impfung gegen Tollwut sowie Kastrationen. Geplant sei auch der Ausbau mehrerer Quarantänestationen. Der Vorsitzende des slowakischen Städte- und Gemeindeverbandes, Jozef Božík, begrüßt zwar jede Form von Hilfe. Für die Zukunft brauche es laut ihm aber deutlich mehr Unterstützung. Ein neuer Förderaufruf über 200.000 Euro für den Aufbau von Quarantänestationen sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, das Volumen reiche jedoch nicht aus. Nach Angaben der Gemeinden gibt es in der Slowakei derzeit mindestens 8.000 streunende Hunde und das Problem bleibt weiterhin ungelöst.
Quelle: STVR