Dicke Luft in puncto Windkraft

Dicke Luft in puncto Windkraft

In der Slowakei werden lediglich 0,01 Prozent der insgesamt hergestellten elektrischen Energie mit Windkraft erzeugt. Die installierte Leistung von insgesamt fünf Anlagen in den Kleinen Karpaten beträgt 3 MW, in Deutschland waren es Mitte 2025 zum Vergleich 74.504 MW. Im Nachbarland Ungarn immerhin ungefähr 263 MW. Bei einer Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung (3.6.) beschrieb der slowakische Ministerpräsident Robert Fico (Smer-SD) die Haltung seiner Regierung zur Windenergie folgendermaßen: „Auf der Grundlage des Wiederaufbau- und Resilienzplans, der von der Vorgängerregierung beschlossen wurde, haben wir gewisse administrative Pflichten, ich wiederhole, gewisse administrative Pflichten. Aber als Regierungsvorsitzender gebe ich offiziell zur Kenntnis, dass die Slowakei keine Windparks braucht. Noch einmal bitte: Die Slowakische Republik braucht keine Windparks. Die Slowakei verfügt über einen exzellenten Mix, denn wir stellen elektrische Energie zu 85 Prozent CO2-frei her, wenn man Kern- und Wasserkraft zusammenrechnet.“

Auch der für den Wiederaufbauplan zuständige Minister Tomáš Drucker (Hlas-SD) betonte, dass der Staat kein Interesse am Bau von Windkraftwerken habe. Obwohl die Wirtschaftministerin Denisa Saková (Hlas-SD) beim Pressetermin neben Ministerpräsident Fico stand, äußerte sie sich nicht zum Thema. Dabei ist ihr Ressort für die aktualisierte Fassung des Integrierten Nationalen Energie- und Klimaplans für die Jahre 2021 bis 2030 zuständig. Diese hatte die jetzige Regierung im April 2025 verabschiedet. Darin hat sich die Slowakei verpflichtet, die installierte Leistung bis 2030 auf 750 MW zu erhöhen. Laut Wiederaufbauplan soll Minister Drucker der Europäischen Kommission bis Ende August 2026 ein strategisches Dokument mit sog. Akzelerationszonen vorlegen, in denen die Windkraftanlagen stehen könnten. Zudem schloss sich die Regierung Fico im Dezember 2023 der Europäischen Wind-Charta an.

Auf die Statements des Ministerpräsidenten hat am Mittwoch auch die Slowakische Assoziation für nachhaltige Energetik (SAPI) reagiert. Ihr zufolge seien solche Äußerungen kein gutes Signal für die heimische Industrie. Für die Kernkraftwerke braucht die Slowakei Energieträger aus dem Ausland, nach wie vor aus Russland, was sie abhängig mache. Die Slowakei kann beides haben, aber die erneuerbaren Kraftwerke lassen sich, so SAPI, binnen weniger Jahre bauen, während für den Bau des neuesten Atommeilers Milliarden notwendig seien, wobei er frühestens 2040 in Betrieb gehen würde. Grüne Energie sei billiger und eine konsequente Umsetzung der Ziele, zu denen sich die Regierung im Nationalen Plan verpflichtet hat, würde 15.000 neue Arbeitsplätze generieren.

Aus der 2023 für SAPI realisierten Umfrage geht hervor, dass 80 Prozent der Befragten den Bau von Windenergieanlagen unterstützen. Und dennoch gibt es in den Gegenden, wo ein Windpark gebaut werden soll, Proteste – zuletzt zum Beispiel in der ostslowakischen Region Zemplín, wo die Gesellschaft für Kernkraftenergie (JEES) in der Nähe der Stadt Strážske 40 Windkraftanlagen installieren will. Laut SAPI hängen die Proteste auch mit verstärkter Verbreitung von Desinformationen als Teil des hybriden Krieges Russlands in den sozialen Netzwerken zusammen.

Quelle: TASR, Správy STVR, www.windbranche.de

Juraj Gigac, Foto: Flickr/Wayne Stader

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