HFSI-Index: Ohne Investitionen ins Gesundheitswesen gerät die Wirtschaft in Gefahr

HFSI-Index: Ohne Investitionen ins Gesundheitswesen gerät die Wirtschaft in Gefahr

Betrachtet die Slowakei das Gesundheitswesen nicht als strategische Investition, gefährdet sie nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern auch die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Darauf verwiesen am Dienstag (2.6.) Róbert Babeľa vom Bürgerverein Project HealthCare und der Analyst der Bank Slovenská sporiteľňa Marián Kočiš, die Autoren des neuen Indexes der finanziellen Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens (Healthcare Financial Sustainability Index – HFSI). Dieser zeige, dass das slowakische Gesundheitswesen nicht auf die Alterung der Bevölkerung vorbereitet ist.

Wie Kočiš erklärte, hat die Gesundheit der Bevölkerung direkten Einfluss auf die Arbeitsproduktivität und die langfristige Wirtschaftsleistung des Landes. Gesündere Menschen fallen seltener aus dem Arbeitsprozess aus, können effizienter arbeiten und bleiben länger erwerbstätig, was angesichts der ungünstigen demografischen Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist. Ein besserer Gesundheitszustand der Bevölkerung entlastet zudem die öffentlichen Finanzen und fördert die Stabilität des privaten Konsums.

Die slowakische Industrie, die etwa ein Viertel aller Erwerbstätigen beschäftigt, stützt sich auf eine Generation, die altert und für die es keinen Ersatz gibt. Mehr als 90 Prozent der Industriearbeiter sind derzeit Menschen zwischen 25 und 64 Jahren. Die Alterung der Bevölkerung betrifft jedoch die gesamte Wirtschaft. Bis zum Jahr 2050 werden auf einen Senior weniger als zwei Erwerbstätige kommen.

„Das slowakische Gesundheitswesen muss zu einer strategischen Investition werden, da wir darauf angewiesen sind, dass möglichst viele unserer Menschen möglichst viele Jahre bei guter Gesundheit leben“, betont Róbert Babeľa: „Derzeit stehen wir vor einigen grundlegenden Problemen, die sich leider negativ auf die Demografie sowie auf den Zustand des Gesundheitswesens auswirken werden. Diese demografische Entwicklung bedeutet, dass wir in etwa zehn Jahren wahrscheinlich rund 200.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger haben werden. Noch dazu verbrauchen ältere Menschen die meisten Mittel aus der öffentlichen Krankenversicherung, rund 40 bis 50 Prozent, leisten aber den geringsten Beitrag. Das heißt: Logischerweise müssen wir dafür sorgen, dass ein Mensch, auch wenn er ein Problem hat, produktiv bleibt, an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann und ein relativ normales Leben führt. Hierbei sprechen wir von denjenigen, die krank sind. Viel besser wäre es, wenn wir mehr in Prävention investieren würden, damit die Menschen gar nicht krank werden oder erst so spät wie möglich.“

Der Index vergleicht die finanzielle Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Dabei landete die Slowakei hinter Tschechien, Polen sowie Estland und verzeichnete im letzten Jahrzehnt den geringsten Anstieg bei der Nachhaltigkeit des Gesundheitswesens in der Region. Während sich die Lage hierzulande nur um knapp 5 Punkte verbesserte, waren es in Estland mehr als 26 Punkte und in Litauen fast 29 Punkte. Babeľa stellte fest: „Länder, die ihr Gesundheitswesen zu Beginn des Jahrzehnts reformiert haben, profitieren heute von den Ergebnissen. Die Slowakei schiebt die Reform auf und die Daten zeigen: Je länger sie wartet, umso teurer und schwieriger wird es, den Rückstand aufzuholen.“

Die Experten empfehlen, die Gesundheitsausgaben vor automatischen Konsolidierungskürzungen zu schützen und die Reformen mit der langfristigen Wirtschaftsstrategie des Landes zu verknüpfen. Als entscheidend erachten sie zudem die Stabilisierung des Gesundheitspersonals, eine effizientere und transparentere Funktionsweise des Systems, die Förderung der Digitalisierung sowie die Schaffung von Bedingungen, die dem Gesundheitswesen helfen, besser auf demografische und wirtschaftliche Belastungen zu reagieren.

Quelle: TASR

Marika Antašová, Foto: TASR

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