Slowakische Bevölkerung altert stärker als der EU-Schnitt: Maßnahmen sind gefragt

Slowakische Bevölkerung altert stärker als der EU-Schnitt: Maßnahmen sind gefragt

Der Arbeitsmarkt und das Gesundheitswesen reagieren in der Slowakei nicht ausreichend auf die alternde Bevölkerung. Trotz nachlassender Gesundheit arbeiten die Menschen heute im Schnitt länger. Experten warnen: Wenn Arbeitgeber sich nicht aktiv an der Lösungsfindung beteiligen, wird es immer schwieriger, Menschen über 50 im Berufsleben zu halten.

Die jährlichen Gesundheitskosten für eine versicherte Person in den Vierzigern belaufen sich heute in der Slowakei durchschnittlich auf rund 930 Euro. Für Menschen in den Sechzigern verdoppeln sich diese Kosten. Für Menschen in den Siebzigern steigen sie auf durchschnittlich über 3.200 Euro pro Jahr. Der Geschäftsführer der Krankenversicherung Union Michal Špaňár: „Die Zahl der Menschen in ihren Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern wird jetzt rasant ansteigen. Das ist aus Kostensicht im Gesundheitswesen der entscheidende Faktor. Es wird einfach mehr ältere Menschen geben, und diese sind kränker. Folglich werden sie viel mehr Untersuchungen benötigen.“

Die Bevölkerung in Europa altert rasant durch niedrige Geburtenraten und steigende Lebenserwartung. In der Slowakei schreitet das Altern jedoch besonders schnell voran, sagt der Analyst des Instituts für Wirtschafts- und Sozialanalyse (INESS), Martin Vlachynský: „Innerhalb Europas gehört die slowakische Bevölkerung zu jenen mit der schnellsten Alterung. Das bedeutet, dass wir anfangs im Durchschnitt lagen, oder, wenn wir 20 Jahre zurückblicken, sogar darunter. Inzwischen haben wir aber das europäische Durchschnittsalter sehr schnell aufgeholt und überholen es nun langsam“

Aktuell kommen in der Slowakei auf etwa drei Rentner zehn Erwerbstätige. Im Jahr 2050 werden es laut Vlachynský fünf Rentner auf zehn Einwohner sein. Die Belastung wird also um etwa 40 Prozent steigen. Die rasante Alterung der Bevölkerung wirkt sich auch auf Unternehmen aus. Diese sollten ältere Arbeitskräfte anders betreuen als jüngere, so Zuzana Kaňuchová von Alma Career Slovakia: „Flexible Arbeitszeiten würden älteren Generationen die Möglichkeit geben, bestimmte Bedürfnisse wie Arztbesuche wahrzunehmen. Gleichzeitig würde diese Flexibilität den gefühlten Stress reduzieren. Dadurch können sie ihre Leistung besser steuern, da diese morgens und abends unterschiedlich sein kann.“

Experten warnen zudem, dass der Mangel an medizinischem Fachpersonal das Problem verschärft. Bis 2030 werden hierzulande zehn mehr Menschen über 70 auf eine Ärztin oder einen Arzt kommen.

Quelle: STVR

Jürgen Rendl, Foto: TASR

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