Die slowakische Regierung hat am Mittwoch (2.4.) in mehreren Kreisen eine außenordentliche Situation wegen Braunbären ausgerufen. Gleichzeitig billigte das Kabinett einen außerordentlichen Eingriff in die Braunbärenpopulation, die 350 Individuen umfasst.
Am Montag gab die Staatliche Naturschutzbehörde (ŠOP SR) bekannt, dass im mittelslowakischen Kreis Detva die Leiche eines Mannes mit schweren Verletzungen gefunden wurde. Nach ersten Erkenntnissen wurde der 59-jährige von einem Braunbären angegriffen. Der Vorfall ereignete sich etwa einen Kilometer vom Siedlungsgebiet entfernt im Wald, außerhalb von Schutzgebieten.
Umweltminister Tomáš Taraba (aufgestellt von SNS) teilte daraufhin mit, dass die Staatliche Naturschutzbehörde die Begründung für einen flächendeckenden Abschuss von 350 Bären vorlegte. Der Ressortchef wies darauf hin, dass die Braunbärenpopulation in der Slowakei wächst. Er erklärte: „Je mehr Bären es gibt, desto mehr Begegnungen mit Mensch und mehr Schäden kommen vor.“ Taraba sei davon überzeugt, dass man in der Slowakei in absehbarer Zeit eine präventive Abschussquote für Bären einführen wird – so, wie man es in Rumänien getan hat. Geplant ist der Abschuss eines Drittels der Population.
Die Initiative „My sme les“ (Wir sind Wald) sowie die Organisationen Aevis, WWF Slovensko und Via Iuris äußerten sich gegen die Absicht des Umweltministers, 350 Bären abzuschießen. Sie erinnern daran, dass eine flächendeckende Jagd im Widerspruch zu internationalen Verpflichtungen steht. Sie forderten das Ressort auf, konzeptionelle und sinnvolle Prävention zu betreiben. Menschen benötigen laut ihnen klare und verständliche Informationen darüber, wie sie sich in der Natur verhalten sollen. Sei es im Hinblick auf Risiken durch das Anlocken von Wildtieren in der Nähe von Wohngebieten und Wanderwegen, die Bewegung in unübersichtlichem Gelände und abseits markierter Wanderwege, das Sammeln von Geweihen, frei herumlaufende Hunde oder das Fotografieren von Wildtieren. Es sei wissenschaftlich belegt, dass die Bärenabschüsse die Zahl der Konflikte mit Menschen nicht verringern. Wie die Organisationen hinweisen, wurden im Vorjahr in der Slowakei 144 Bären getötet, die höchste Zahl in den letzten einhundert Jahren. Trotzdem seien die Begegnungen zwischen Bär und Mensch nicht verschwunden. Marián Hletko von der Initiative „My sme les“ erklärte: „Wir sind der Meinung, dass dies eine konzeptlose Lösung ist, die nicht die gewünschten Ergebnisse bringen wird. Einfach gesagt, die Abschüsse, die das Umweltministerium bisher durchgeführt hat, haben die Situation nicht verbessert. Im Gegenteil, es gibt noch mehr Angriffe als früher.“
Die stellvertretende Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Landwirtschaft und Umwelt Tamara Stohlová teilte mit, dass die Vertreter des Ministeriums die Prävention ignorieren, obwohl ihre Partei, die oppositionelle Progresívne Slovensko, im Parlament mehrere gesetzliche Änderungen vorgeschlagen hatte. „Darunter eine Einschränkung des schädlichen Lockens, das im Jagdgebiet intensiv präsent ist, in dem sich die Tragödie ereignet hat“, sagte Stohlová.
Die Slowakische Jagdkammer (SPK) betrachtet die Regulierung als richtigen Schritt. Früher, als Bären durch die Jagd reguliert wurden, seien die Probleme mit ihnen weitgehend verschwunden, sagte der Vizepräsident der Kammer Alojz Kaššák: „Es war, als hätten die Bären untereinander Bescheid gegeben: ,Vorsicht, der Mensch wird gefährlich!´ Wenn sich früher ein Mensch, Jäger oder Förster im Wald bewegte, auf einen Bären stieß und rechtzeitig auf sich aufmerksam machte, floh der Bär einfach. Heute gibt es immer mehr Angriffe, auch fatale.“
Der Umweltminister sagte vor der Kabinettssitzung, dass es im Jahr 2020 etwa 650 Begegnungen mit Bären gab. Im Vorjahr waren es bereits 1.900. Wie er mitteilte, wird das Umweltministerium eine Aufklärungskampagne starten. Er sagte auch, dass er einen Brief an die EU-Kommission geschrieben habe, um sie über die Schritte in Bezug auf Bären zu informieren.
Quelle: STVR, TASR