Villas zu Erholungszwecken, Chalets oder Appartementhäuser. Der Bauboom nimmt auch in der Hohen Tatra immer drastischere Ausmaße an. Gegen die Zerstörung des natürlichen Reichtums der Region hat sich zuletzt die Bürgerinitiative „Wir lieben die grüne Tatra“ formiert. Deren AktivistInnen versuchen, den unverhältnismäßigen Bauboom in der Tatra zu stoppen. Ein Kritikpunkt lautet, dass viele der neuen Bauprojekte in der Schutzzone des Tatra-Nationalparks entstehen sollen. Dazu der Leiter des Kreisamts Poprad, Jozef Bednár: "In Bereich der Schutzzone des Tatra Nationalparks betrifft dies bis zu ein Drittel des Gebiets. Dort befindet sich heute Natur wie Wiesen, Weiden und Felder."
Im Resort oberhalb der Gemeinde Veľká Lomnica wurden zuletzt bereits Versorgungsnetze vorbereitet. Dort ist der Bau von Anlageobjekten und Einfamilienhäusern geplant. Geht es nach dem Bürgermeister von Veľká Lomnica, Peter Duda, folgt die bauliche Entwicklung dort einem geregelten Rahmen: "An diesem Ort werden mindestens 100 weitere Gebäude hinzukommen. Die Investoren gehen dabei in Etappen vor. Wir haben dafür ein grundlegendes strategisches Dokument vorbereitet, das auf Basis des Bebauungsplans des Dorfes die weitere bauliche Entwicklung am Gebirgsfuß regelt."
Die AktivistInnen der Initiative „Wir lieben die grüne Tatra“ kritisieren, dass die meisten der Projekte und die anschließende Änderung der Bebauungspläne keiner umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen wurden. Laut Auskunft der Kreisämter von Poprad und Kežmarok werden die Auswirkungen einzelner Bauprojekte auf die Umwelt in jedem Fall beurteilt. Treten jedoch keine ernsten Einwände auf, werde der Prozess bereits nach der Beurteilungsphase eingestellt. Jedoch hätte es solche Einwände auch seitens des Tatra-Nationalparks (TANAP) gegeben, sagt dessen Direktor Pavol Majko: "Die Verwaltung des TANAP hat bereits mehrere dutzend Mal um eine Beurteilung der Auswirkungen dieser Bauvorhaben auf die Umwelt angesucht. Leider haben die Kreisämter und die staatliche Umweltverwaltung unsere Forderungen als nicht relevant befunden."
Geht es nach den AktivistInnen, verzichtet der Staat auf jegliche Möglichkeit, den Bauboom unter der Tatra zu regulieren. Ähnlich sieht dies auch der Leiter des Kreisamts Poprad, Jozef Bednár: "Es existiert keinerlei Institut, das die Bebauungspläne kontrollieren würde. Ich nenne das „Developer-Anarchie“".
Das slowakische Umweltministerium plant im Rahmen einer Reform neue Regeln für die Bewirtschaftung und Verwaltung der Nationalparks einzuführen. Außerdem hat Präsidentin Zuzana Čaputová versprochen, sich mit den AktivistInnen der Bürgerinitiative zu treffen.
Quelle: RTVS