Kinderfragestunde im slowakischen Parlament

Kinderfragestunde im slowakischen Parlament

„Warum dürfen Politiker lügen?“ Oder: „Haben Abgeordnete eine Vorbildfunktion für Kinder?“ – Mit diesen und weiteren Fragen wurden slowakische Spitzenpolitiker konfrontiert. Am Dienstag (27.08.2019) konnten etwa 140 Kinder im Rahmen der Kinderfragestunde im Nationalrat in Bratislava auf Antworten hoffen. Zu diesem Zweck waren die Mitglieder der slowakischen Regierung und der stellvertretende Parlamentsvorsitzende Béla Bugár anwesend.

Eine Schülerin wollte wissen, warum die Leute einige Politiker nicht mögen. Vizepremier Richard Raši antwortete und stellte einen Vergleich zum Alltag auf: „In der Schule habt ihr auch Freunde, die ihr lieber habt. Es gibt auch beliebte und weniger beliebte Lehrer.“ Ein anderes Mädchen wollte wissen, wieso Politiker lügen dürften. Premierminister Peter Pellegrini stellte klar, dass sie dies nicht dürften. Es gebe zwar solche, die dennoch lügen würden, jedoch würden sie für so etwas von den Wählern abgestraft.

Es wurden auch Fragen zu besonders komplizierten Themen gestellt wie etwa zum Mord an dem Investigativjournalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter Martina Kušnírová im Februar 2018: Ein Mädchen fragte die Innenministerin Denisa Saková, ob diese glaube, dass der Mord aufgeklärt wird. Die Innenministerin antwortete, dass sie dies hoffe und verwies darauf, dass Dank der Arbeit der Polizei der Täter bereits bekannt sei. Nun müsse der Auftraggeber gefunden werden. Die Ministerin versicherte, dass die Slowakei trotz des Journalistenmordes ein sicheres Land sei. Saková habe nicht damit gerechnet, dass sich die Kinder bereits mit so politischen Themen auseinandersetzen würden:

"Ich muss zugeben: Die mir gestellte Frage, ob wir den Mord an Ján Kuciak aufklären werden, hat mich sehr überrascht. Kinder in diesem Alter nehmen schon war, was in der Slowakei geschieht und wissen auch über derart schlimme Verbrechen Bescheid."

Auch andere Politiker lobten das Interesse der fragenden Kinder. Premierminister Peter Pellegrini fiel positiv auf, dass sehr konkret gefragt wurde. Fragen dieser Art würde er von Parlamentsabgeordneten erwarten. Er sehe, dass die Kinder mit ihren Eltern über solche Themen sprechen und Zugang zu Informationen haben. Es sei richtig, dass die junge Generation Interesse daran zeige, wie der Staat funktioniert. Sich über die Fragen zu ärgern, wäre falsch. Und: Die Frage, ob Politiker lügen würden, habe ihn nicht überrascht.

Quelle: TASR

Michael Thanei; Foto: TASR

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