Ganz im Zeichen der Liebe stand das vergangene Wochenende in Bratislava. Bereits zum neunten Mal fand am Samstag die jährliche Regenbogenparade "Dúhový PRIDE Bratislava" statt. Wie in den meisten Ländern der westlichen Welt schon viel länger und deutlich größer, ist es inzwischen auch in der slowakischen Hauptstadt zur Selbstverständlichkeit geworden, dass Tausende Menschen für die Rechte sexueller Minderheiten auf die Straße gehen. Mit rund 8.000 bis 10.000 Menschen waren es dieses Jahr so viele wie noch nie zuvor, freuten sich die Organisatoren. Dies zeige, dass auch in der eher konservativ geprägten Slowakei das Verständnis für die Probleme von Schwulen, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuellen größer geworden sei.
Selbst auf der etwa zeitgleich abgehaltenen konservativen Gegenveranstaltung "Stolz auf die Familie" vermied man im Unterschied zur Vergangenheit Angriffe auf die sexuellen Minderheiten: Es gehe nicht um eine Verurteilung anderer Menschen, sondern einfach darum, die "Freude über die Familie" auszudrücken. Die Liebe zu den Kindern zeige man aber am besten damit, dass man ihnen das für sie Wichtigste garantiere - nämlich einen Vater und eine Mutter. Rund 500 Menschen unterstützten so die Bewahrung der traditionellen Familie.
Die Organisatoren der Regenbogenparade anerkannten daher sehr wohl die größer gewordene Toleranz gegenüber Menschen mit anderer als heterosexueller Orientierung in der Bevölkerung. Rechtlich bestehe aber weiterhin eine klare Diskriminierung und zudem gebe es noch immer Politiker, die gegen sie Stimmung machten, erklärte Mitorganisator Martin Macko:
"Dieses Jahr ist unser wichtigstes Thema die Aufforderung an die Politiker der Slowakei, dass sie damit aufhören, diese Fragen in ihren Wahlkämpfen zu missbrauchen. Wir wollen, dass sie sich stattdessen um Probleme kümmern, die die Menschen in der Slowakei wirklich haben. Für uns als Gemeinschaft ist zudem ein weiter bestehendes Problem, dass es keinen ausreichenden Rechtsschutz für gleichgeschlechtliche Paare und ihre Familien gibt."
Die Polizei verzeichnete während beider Veranstaltungen keinerlei Zwischenfälle.
Quelle: TASR