Der Ärztemangel ist in der Slowakei landesweit spürbar. Allein in den letzten fünf Jahren wurden rund 1.000 Praxen geschlossen, häufig ohne einen Nachfolger. Patienten müssen deshalb lange auf ihre Termine warten und es ist oft schwierig, einen Facharzt in der näheren Umgebung zu finden.
Im westslowakischen Považská Bystrica etwa müssen Patienten die ganze Nacht warten, um überhaupt eine Wartenummer beim Neurologen zu erhalten. Im ganzen Landkreis gibt es einen Mangel an Ärzten, dafür aber viele Patienten. Ähnliche Situationen seien aber auch anderswo in der Slowakei zu finden, betont der Präsident der Assoziation von Privatärzten, Marián Šóth: „Im Zeitraum zwischen 2012 und 2017 verzeichneten wir landesweit einen Mangel von mehr als 1.000 Ärzten. Die Lage verschlechtert sich kontinuierlich von Jahr zu Jahr."
Wie Šóth erklärt, müssten die Patienten in manchen Fällen sogar mehrere Monate lang warten, bis sie einen Facharzttermin bekommen. Den Ärzten stehe außerdem wenig Zeit zur Verfügung, um sich den Patienten zu widmen - durchschnittlich seien es etwa acht Minuten beim Hausarzt oder zwölf Minuten beim Kinderarzt. Viele junge Ärzte wollen unter solchen Bedingungen keine Praxis eröffnen. So verschwinden die Praxen nicht nur in weniger dicht besiedelten Regionen, sondern auch in der Hauptstadt. Dass das Gesundheitsversorgungssystem noch nicht kollabiert, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass viele Ärzte auch im Rentenalter noch weiter arbeiten. Geht es nach Radoslav Herda von der Bürgervereinigung Slowakischer Patient, sei dieser Zustand allerdings langfristig nicht haltbar: „Man wird einen immer deutlicheren Mangel an Ärzten zu spüren bekommen. Gingen alle Ärzte mit 65 Jahren in Rente, dann würden in zehn Jahren etwa die Hälfte aller Hausärzte und 60 Prozent aller Kinderärzte verschwinden."
Die Ärzte starten deswegen eine Kampagne unter dem Titel „Man muss uns Hören", in deren Rahmen sie Lösungen des Problems vorschlagen. Darunter etwa eine 50 Millionen Euro mächtige Finanzspritze seitens des Staates für die Stabilisierung des Praxen-Bereichs. Außerdem soll der Staat mehr Geld für dessen Versicherte beisteuern, den bürokratischen Aufwand für die Ärzte senken und nicht zuletzt ein stabiles Umfeld im Bereich der Gesetzgebung schaffen. Das Gesundheitsministerium ist sich zwar der Probleme der Praxen bewusst, startete bis jetzt jedoch nur das sogenannte Residenz-Programm um dem negativen Trend langfristig entgegenzuwirken. Dieses bringt unter anderem eine Vereinfachung der Ausbildung von Ärzten und eine Erhöhung von Kapazitäten bei den medizinischen Bildungseinrichtungen mit sich.
Quelle: RTVS